Erdbeben

by Diane on 05/09/2010

Samstag früh gegen 4.30 Uhr gab es in Christchurch auf Neuseelands Südinsel (etwa 300 Kilometer von Wellington entfernt) ein heftiges Erdbeben. Viele Leute in Wellington haben es auch gespürt, allerdings meiner Beobachtung nach eher diejenigen, die nah am Meer wohnen. Wir wohnen relative weit vom Hafen entfernt, ein Hügelkette trennt uns vom Wasser, und obwohl ich um diese Zeit wach war, habe ich nichts mitbekommen. Kai, Helen und Tanya (die über’s Wochenende bei uns zu Besuch waren) sind auch nicht wach geworden.

Als wir etwa 2 Stunden später langsam aufwachten und unseren Tag wie üblich mit dem Checken von Twitter begannen, wurde das Ausmaß der Katastrophe schon sichtbar. Menschen in Christchurch hatten bereits Fotos online gestellt, Journalisten, denen wir auf Twitter folgen, saßen schon in den Redaktionen der neuseeländischen Tageszeitungen und sorgten dafür, dass der Informationsfluss garantiert war. Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass es sich um ein Beben der Stärke 7.1 handelte, was etwa der Größenordnung des Bebens in Haiti im Januar entspricht. Der große Unterschied zwischen den beiden Beben ist jedoch, dass in Port-au-Prince 230.000 Menschen ihr Leben verloren, während es in Christchurch nur eine überschaubare Anzahl Verletzter gab. Zum Großteil ist diese Glück wohl dem Umstand zu verdanken, dass das Beben in den frühen Morgenstunden stattfand, und die meisten Menschen friedlich in ihren Betten lagen. Da viele Häuser in Christchurch aus Ziegelsteinen bestehen, ist der meiste Schaden dadurch entstanden, dass Hausfassaden abbrachen, Kamine von den Dächern kippten und sich Löcher im Boden auftaten. Wären zu diesem Zeitpunkt Menschen auf den Bürgersteigen gewesen, es hätte viele, viele Tote gegeben.

Gegen Nachmittag hat Christchurch den Ausnahmezustand erklärt und Polizei und Militär aus Auckland angefordert, um über Nacht für Ordnung zu sorgen und Plünderungen zu verhindern. Niemand durfte mehr in die Innenstadt. Strom- und Gasversorgung, die aus Angst vor weiteren Schäden vorsorglich abgeschaltet worden waren, wurden wieder aufgenommen, und auch die Mobilfunkanbieter, die während des Tages ihre Sendemasten mit Notbatterien betrieben hatten, konnten die flächendeckende Versorgung wieder aufnehmen. Die Telekom hat inzwischen ihre Telefonzellen in der Gegend freigeschaltet, um Betroffenen kostenlose Kommunikation zu ermöglichen. Doch für die Menschen in Christchurch war es mit dem einem Beben nicht getan. Es gab unzählige, teils ähnlich heftige Nachbeben, und das Wetter ist auch eher bescheiden. Es regnet und windet durch Löcher in den Häusern und durch fehlende Wände. Es wird gehofft, dass nicht noch schlimmeres passiert.

Was bedeutet das für uns in Wellington? Erstmal nicht viel mehr als dass wir in Gedanken bei den Menschen in Christchurch sind und es uns unendlich leid tut, dass es sie getroffen hat. Ganz besonders da in dieser Gegend niemand mit solch einem schweren Beben gerechnet hat, denn es liegt nicht auf einem der Plattenübergänge, wie Wellington es tut. Natürlich sind wir auch froh, dass dieser Kelch nochmals an uns vorüber gegangen ist. Es hat uns erinnert, unseren Notfallvorrat erneut zu überprüfen und aufzustocken. Sonderlich besorgt sind wir jedoch weiterhin nicht, denn wenn Naturgewalten zerstörerische wüten, hat man als Mensch einfach keine Möglichkeit einzugreifen. Es war gut zu sehen dass die Informationen schnell und zuverlässig über verschiedene Kanäle in Umlauf gebracht wurden, und dass Hilfe aus dem ganzen Land in das betroffene Gebiet eilte. Ausserdem hat sich gezeigt, dass ein Holzhaus doch keine so schlechte Idee ist, den Holz schwankt und dehnt sich mit dem Beben und bricht nicht so leicht zusammen wie ein Steinhaus.

Also: habt keine Angst um uns. Wir sitzen im Holzhaus und haben genug Wasser, Nahrung, Kleidung, Medikamente und warme Decken in unserer Notfallkiste, dass wir im Ernstfall ein paar Tage auf Hilfe warten können.

Und noch ein kleiner Tipp: wir haben die Berichterstattung auf ARD, ZDF, RTL und co gesehen, die Informationen sind nicht immer richtig. Das Beben war nur in und um Christchurch, weder ist ganz Neuseeland im Ausnahmezustand, noch steht es unter Wasser, noch gibt es eine nächtliche Ausgangssperre! Wir sind davon nicht betroffen!

UPDATE

Ein paar Tage nach dem Beben wackelt es immer noch heftig in Christchurch. Manche der Nachbeben kommen sehr nah an die Stärke des eigentlichen Bebens heran. Auch wenn alle Bilder aus der Gegend betroffen machen, mich berühren die Fotos aus der Uni-Bücherei in Christchurch am meisten. Hier kann man sehr gut sehen, wie viel Schaden durch das Beben angerichtet wurde.

Earthquake

Saturday morning around 4.30 Christchurch on New Zealand’s South Island was shaken by a severe earthquake. Even some people in Wellington, which is 300 kilometers away from Christchurch, have felt it, but from what I can see it was merely people living closer to the waterfront. We live quite a bit away from the sea, there’s a ridge between us and the water, and even though I was awake at that time, I didn’t feel anything. Kai, Helen and Tanya (who stayed with us over the weekend) didn’t even wake up.

When we finally got up about 2 hours later we started the day with checking Twitter as usual, and the extent of the disaster was already becoming visible. People from Christchurch had started uploading pictures, and journalists we follow on Twitter were already sitting in their editorial offices to ensure a constant flow of information. At that time we already knew that the quake was about as bad as the one in Haiti in January, but the big difference in both quakes was that in Haiti 230,000 people died, while Christchurch only had some injured. They were very lucky that the quake hit in the early morning hours when most people were sleeping. Since they have mainly brick houses in Christchurch, most damage was caused by facades collapsing, chimneys falling off houses and big holes that suddenly appeared in the ground. Had people been out on the streets at the time the earth quake stroke, a huge number of people would have died.

Around afternoon the city declared a state of emergency and police and military from Auckland were flown down to ensure a peaceful night. The CBD was turned into a no-go zone, but at least gas and power supply were switched back on. Cell phone towers could be taken off emergency battery supply and resume normal services, and Telecom made their phone booths available for free use for those who needed to get in touch with friends and family. But unfortunately it didn’t stop with the big quake, Christchurch has been (and still is being) hit by severe aftershocks, and now they’re facing a severe weather warning.

What does that mean for us in Wellington? Well, first of all that our thoughts are with the people in Christchurch and that we feel really sorry it hit them that hard. Especially since no one in that area ever expected such a massive earth quake, because they aren’t anywhere near a fault line (like Wellington is). And of cause we are quite relieved that once again it hit somewhere else within New Zealand, and not in Wellington. It was reminder for us to check once again on our emergency supply and to consider to restock. But we still aren’t overly frightened, since you can’t do much if a natural disaster strikes anyway. It was good to see help rushing to Christchurch from all over NZ, and that information was transferred using different channels with enormous speed. And it showed that a wooden house is not a bad idea after all, since the wood sways with the quake to a certain degree, and does not easily collapse like a brick house.

So: don’t be worried. We’re sitting in our wooden house and have enough water, food, clothes, medicine and warm blankets in our emergency box, so we can wait for help for a couple of days, in case Wellington’s next.

And just one additional tip, since we have seen some coverage of German media: the information you guys get is not always correct! The quake hit only in and around Christchurch, it’s not all of New Zealand that’s affected by state of emergency, flooding or curfew! We are safe (for now)!

UPDATE

Even a few days after the quake people in Christchurch don’t get much of a rest. There are plenty of aftershocks, some almost as bad as the initial one. All pictures from the area strike us, but to me the photos from the University of Canterbury (especially their library) show the damage in a very visual way.

Verena September 5, 2010 at 7:24 pm

puh, da bin ich aber froh.

Frank September 5, 2010 at 9:36 pm

Schön zu wissen, dass es euch gut geht!

Klaus October 24, 2010 at 7:55 am

Ich war zu dem Zeitpunkt selbst dort und habe das Erdbeben selbst miterlebt und muss sagen, dass ich auch heute noch ziemlich oft daran denken. Der Schrecken steckt mir immer noch in den Knochen. Das ist das schlimmste was ich dort erlebt habe.

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